FILM & PRODUKTION

FILMINHALT

In die Patchwork-Familie von Drehbuchautor Henry (Til Schweiger) kehrt der Alltag ein – doch der bedeutet tagtägliches Chaos: Die jetzt zehnjährige Magdalena (Emma Schweiger) verliebt sich zum ersten Mal, und Katharina (Jasmin Gerat) hat es satt, nur für Baby Louis zu sorgen – sie zieht aus, um in Ruhe ein neues Buch zu schreiben. Dafür mischt Magdalenas Kuckucksvater Tristan (Samuel Finzi) als Untermieter die WG auf, nachdem er all sein Geld plus Praxis verloren hat. Und als Henry sich erstmals als Filmproduzent versucht, erlebt er sein blaues Wunder mit dem divenhaften Superstar Matthias Schweighöfer …

Wenn im Patchwork derart viele Nähte aufreißen, wer soll sie flicken? Doch Zerreißproben haben auch ihr Gutes: Man erkennt, was – und wer – zusammengehört. Denn es lohnt sich immer, für die Liebe zu kämpfen.

PRODUKTION

„Das gewaltige Echo auf den ersten Film ‚Kokowääh‘ machte uns klar, dass die Zuschauer sich mit den Hauptfiguren identifizieren können“, berichtet Produzent Tom Zickler. „Besonders gut kam Emma als kleine Magdalena an. Da ist etwas ganz Ungewöhnliches passiert – der erste Teil entpuppte sich als Familienfilm, was anfangs so nicht geplant war. Aber bei den Testvorführungen verbuchte sie eine überirdisch positive Reaktion beim Publikum, weil sie ebenso niedlich wie authentisch wirkt. Voraussetzung war natürlich, dass Emma Lust hatte, die Rolle ein weiteres Mal zu spielen – und die hatte sie! Der erste Film hat ihr Spaß gemacht, obwohl sie damals sehr gefordert war mit ihren 28 Drehtagen. Aber sie fragte seitdem öfter mal: ‚Papa, wann geht es denn weiter?‘“

Über die Arbeit am Drehbuch zu „Kokowääh 2“ sagt Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Til Schweiger: „Bei ‚Zweiohrküken‘ haben wir uns damals gefragt: Die romantische Komödie ‚Keinohrhasen‘ ist auserzählt. Aber was passiert, wenn sich das Paar jetzt im Alltag bewähren muss? So wurde aus der romantischen Komödie eine Beziehungskomödie. ‚Kokowääh‘ war dagegen keine romantische Komödie, hat aber doch ein märchenhaftes, unrealistisches Ende mit der perfekten Patchwork-Familie. Also fragten wir uns jetzt: Wie ist die Situation zwei Jahre später? Wir waren völlig frei in der Gestaltung, denn wir müssen die Figuren nicht mehr vorstellen, wir konnten einfach ein neues Spiel beginnen. Die perfekte Patchwork-Familie würde die Zuschauer schnell langweilen – lustig wird es erst durch die entstehenden Konflikte. Also geht es in unserer Familie – wie im richtigen Leben – nicht nur glücklich zu.“

Tom Zickler ergänzt: „Trotz des Happyends im ersten Teil war natürlich klar, dass es genug Konflikte für eine weitere Geschichte gab. Schon bevor der Plan konkret wurde, hatte Co-Autor Bela Jarzyk mit dem Skript zu ‚Kokowääh 2‘ begonnen. Er entwickelte zum Beispiel die Idee, dass Tristan durch die Umstände gezwungen wird, bei Henry einzuziehen. Til brachte seinerseits den Vorschlag ein, dass Magdalena sich verliebt, weil er mitbekam, wie das Thema ‚Knutschen‘ zumindest bei den neunjährigen Mädchen bereits ein Thema ist – bei den Jungen weniger …“

Co-Autor Til Schweiger berichtet: „Ein gutes Drehbuch wird durch die Verfilmung nicht schlechter, sondern meist besser. Denn beim Dreh arbeiten viele kreative Köpfe zusammen: Schauspieler und Teammitglieder bringen Ideen ein, fügen lustige Einfälle hinzu – in der Regel wird eine Komödie noch lustiger als ursprünglich geplant. Bei manchen Szenen lache ich schon beim Schreiben, und wenn das nicht funktioniert, lösche ich sie und schreibe sie neu. Und wenn ich bei den von meinem Schreibpartner geschriebenen Szenen loslache, dann weiß ich, dass sie auch im Kino funktionieren werden. Es gibt Ausnahmen, in denen wir daneben liegen und die Zuschauer an nicht geplanten Stellen lachen. Aber grundsätzlich spüre ich, was beim Publikum ankommt.“

„Als ich das Drehbuch las, habe ich ständig laut gelacht, und ich staunte: Wie kann man ein Sequel denn noch besser schreiben als den ersten Teil? Das gibt’s doch nicht!“, erinnert sich Jasmin Gerat, die wie im ersten Teil die erfolgreiche Autorin Katharina spielt. „Das Publikum wird in ‚Kokowääh 2‘ von Anfang bis Ende durchlachen, gleichzeitig aber auch sehr gerührt reagieren, weil der Film eine gute Mischung aus absurden Elementen (WG-Partner Tristan ähnelt manchmal Peter Sellers) und sehr traurigen Momenten ist. Was wir hier zeigen, sind ganz reale Situationen aus dem Leben. Sehr oft erlebe ich privat Situationen, bei denen ich denke: Im Kino würde uns das niemand abnehmen! Aber das Leben ist eben so, es besteht aus sehr viel Slapstick und tragischen Momenten. Das zeigt ‚Kokowääh 2‘ – und zwar sehr ehrlich!“

„Til entscheidet sich für ein Projekt immer erst endgültig, wenn er ein rundum überzeugendes Drehbuch vorliegen hat – dann möchte er aber am liebsten schon vier Wochen später mit dem Drehen beginnen“, sagt Produzent Zickler. „Also besteht meine Aufgabe darin, produktionstechnisch Plan B und Plan C vorzubereiten, damit solche schnellen Entscheidungen dann auch umsetzbar sind. Das Filmteam stand quasi auf Abruf bereit – nur drei Monate waren seit Drehschluss von ‚Schutzengel‘ vergangen, und jetzt ging es quasi mit dem identischen Team weiter. Andere Regisseure drehen alle anderthalb bis zwei Jahre einen Film! Da kam es anfangs schon vor, dass Til morgens fragte: ‚Wo ist meine Waffe?‘ Wir mussten ihn dann erinnern, dass wir nicht mehr ‚Schutzengel‘ drehten, sondern die völlig schusswaffenfreie Beziehungskomödie ‚Kokowääh 2‘ …

Zur Erklärung muss ich sagen, dass es selbst für den immer schnell arbeitenden Til eine außergewöhnliche Situation war: Bis Samstagnacht um drei Uhr waren wir in der Bavaria noch mit der Mischung von ‚Schutzengel‘ beschäftigt, dann flogen wir am Sonntag zurück, hatten am Montag morgens um neun Uhr die große Produktionsversammlung für ‚Kokowääh 2‘, und am Donnerstag begannen die Dreharbeiten!“

SCHAUSPIELER – VOR UND HINTER DER KAMERA

Jytte-Merle Böhrnsen, die Tristans neue Freundin Anna spielt, sagt über die Arbeit am Set: „Til Schweiger weiß genau, was er will. Wenn bei mir ein Satz hakt, ist er sofort mit einem Tipp zur Stelle, und dann flutscht es. Mir hilft seine Diszipliniertheit sehr – er ist ständig voll präsent und weiß alles. Er ist liebevoll, aber auch streng.“

Tom Zickler ergänzt: „Als Regisseur und Darsteller gibt Til den Schauspielerkollegen teilweise den Vorrang, er hält sich zurück, um ihnen ihre eigenen glänzenden Momente zu ermöglichen. Die Schauspielerszenen sind die Szenen, die er persönlich ins Drehbuch einbringt – kleine Kabinettstückchen speziell für Jasmin Gerat oder Samuel Finzi. Er liebt seine Schauspieler und lässt sich von ihren Leistungen faszinieren. Als der Regisseur im Film tritt Michael Ostrowski auf, den Til als Laudator bei einer Preisverleihung erlebte und praktisch auf der Stelle engagierte, weil Ostrowski ihn derart beeindruckt hatte.

Über Schweigers Konzept sagt Zickler: „Natürlich erkennt Til, dass solche Bravourstücke anderer Darsteller seinem Film zugute kommen und ihn aufwerten. Dennoch würden viele andere Schauspieler/Regisseure große Probleme haben, so uneitel vorzugehen wie er. Deshalb vertrauen sich die Darsteller ihm auch sehr gern an, weil er sein Handwerk versteht und es immer schafft, sie in jeder Hinsicht überzeugend wirken zu lassen. Selbst wenn ein Schauspieler angesichts des Drehbuchs noch Bedenken äußert (‚Zu dick aufgetragen?‘), lässt sich das praktisch sofort ausräumen, wenn die Szene am Tag nach dem Drehen geschnitten vorliegt. Wenn Til sagt: ‚Die Zuschauer werden dich für diese Szene lieben!‘, dann merken die Schauspieler beim Ansehen der Muster, dass er Recht hat.“

Dazu Til Schweiger: „Mich stört beim Drehbuchlesen, wenn vom Autor die Betonung jedes Satzes mit Anweisungen genau vorgegeben wird: ‚Lasziv-erotisch‘, ‚Wütend‘ oder ‚Zärtlich‘. Ich finde, der Dialog sollte das selbst erklären. Ich selbst halte mich mit solchen Anweisungen im Text zurück und weiß auch, wie ich das inszenieren werde. Aber aus diesem Grund fragt mich der eine oder andere Schauspieler schon mal, wie genau die Stimmung hier gemeint ist: ‚Soll das eine Klamotte werden?‘ Dann antworte ich: ‚Keine Klamotte, nur teilweise mit Slapstick, aber die Figur bleibt trotzdem real.‘ Solche Frauen und Männer gibt es durchaus!“

„Die Szene, die Til für Matthias Schweighöfer als divenhaften Filmstar geschrieben hat, ist ein regelrechtes Denkmal!“, berichtet Tom Zickler. „In solchen Situationen ist Til extrem uneitel, ein echter Teamplayer – er weiß natürlich, dass Matthias der Gewinner dieser Szene ist: Matthias kann da seinem Affen derart Zucker geben, dass er beim Publikum richtig Eindruck macht. Es gibt nur wenige deutsche Stars, deretwegen die Zuschauer ins Kino gehen: Til Schweiger, Bully Herbig und Matthias Schweighöfer. Matthias ist mit uns persönlich sehr gut befreundet – insofern sind wir uns über die Zusammenarbeit schnell einig. Wir unterstützen uns gegenseitig – durch die Mitwirkung in Projekten, aber auch durch PR-Aktionen.“

Nicht von ungefähr ist die Hauptfigur Henry (Til Schweiger) in der Filmbranche tätig – die Filmemacher bewegen sich also auf sehr vertrautem Terrain. Dazu Zickler: „Sicher sind die Szenen, die sich in ‚Kokowääh 2‘ auf die Branche beziehen, reichlich überzogen. Aber natürlich bringen wir eigene Erfahrungen mit ein – es läuft tatsächlich ein bisschen so, wie wir es zeigen.“

Schweiger berichtet: „Ich habe Matthias vorgeschlagen, eine Parodie seiner selbst zu spielen – denn in unserem Film ist er wirklich durchgeknallt. So ist er privat nicht, aber es gibt solche Typen.“

Über seine Rolle sagt Matthias Schweighöfer: „Der Matthias im Film ist ein schwerstalkoholabhängiger junger Mann, der keine Freunde hat, sehr allein ist und sich wünscht, den Deutschen Filmpreis zu gewinnen. Es gibt keine Parallelen zu lebenden Menschen! Til hat mir in einem Telefonat von der Rolle erzählt – und dann war die Katze im Sack! Durch meine bisherige Zusammenarbeit mit Til war mir klar, dass es sehr lustig wird. Die Sprüche in diesen Szenen sind wieder super!“ Und augenzwinkernd fügt er hinzu: „Besonders spannend war die Sache, weil eine Katze eine zentrale Rolle spielt. Denn ich habe eine Katzenallergie!“

Jasmin Gerat ist als Schauspielerin sehr gefragt und hatte Probleme, sich auf die erst sehr spät endgültig festgelegten Drehtermine zu „Kokowääh 2“ einzustellen, gerade weil die angepeilte Drehzeit für den Sommer 2012 vorgesehen war – der Sommer ist traditionell die beliebteste Periode aller Filmteams. Doch das Warten hat sich für Gerat gelohnt, weil ihr die Rolle im Vergleich zum ersten Teil noch mehr bietet. Sie darf als Mutter und Künstlerin Katharina ihre Beziehungsprobleme sehr ernsthaft ausspielen, um andererseits durch wohl dosierte komödiantische kurze Haken zu verblüffen und zu begeistern. „Dafür liebt man sie einfach!“, sagt Zickler.

Zur Patchwork-Familie zählt auch Zahnarzt Tristan, den wieder Samuel Finzi darstellt. Er sagt über seine Rolle: „Tristan ist ausgeflippt, er steckt in der Midlife-Crisis. Als Schauspieler bin ich natürlich sehr dankbar, wenn Tristan aus sich selbst ausbrechen darf. Denn er wirkt wahrhaftig, auch wenn wir das mit den Mitteln der Komödie erzählen. Aber alles hat ein solides Fundament. Männer sind halt so, wenn sie in diese Krise geraten!“

Til Schweiger sagt über Tristan : „Im ersten Film war er eine tragische Figur – er merkte: ‚Das ist nicht mein Kind, das ich großgezogen habe.‘ Tristan ist im zweiten Film viel deutlicher eine Komödienfigur – er steckt in einer Krise und versucht mit seiner jungen Freundin etwas nachzuholen.“

Über seine Arbeitsweise sagt Finzi: „Das Spontane liegt mir, und ich entwickle den Ehrgeiz, Ideen schnell umzusetzen. Ob es klappt, kann ich mit Til zusammen direkt am Monitor überprüfen. Auf dem Bild erkenne ich sofort, ob die Szene stimmt oder nicht. Und dabei sind Til und ich immer einer Meinung.“

Jytte-Merle Böhrnsen, die Tristans junge Freundin spielt, sagt über ihren Kollegen: „Samuel kann das verdammt gut. Er hat ein komödiantisches Talent, wie es nur wenige Schauspieler besitzen – er ist immer auf den Punkt genau. Einfach großartig. Natürlich muss er immer die lustigen – weil tollpatschigen – Sachen machen, um die man ihn nicht unbedingt beneidet. Aber das macht er mit Bravour.“

Emma Schweiger bildet als Henrys Tochter Magdalena auch im zweiten Film ein emotionales Zentrum, aber der Schwerpunkt verlagert sich etwas von der Vater-Tochter-Geschichte zum Patchwork-Ensemble allgemein. „Emma hatte bei diesem Film weniger Drehtage als beim ersten, und in diesem teilt sie sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer auch noch mit zwei weiteren Kindern, den bezaubernden Jungs Maurizio Magno (als Nick) und Nico Liersch (als Max). Wie das Leben so spielt: Emma verliebte sich nicht in Maurizio, den sie laut Drehbuch anhimmeln soll, sondern in Nico!“

Emmas Rolle ist also diesmal nicht so dominant, aber in ihren Szenen versteht sie wieder zu begeistern. Und ihre Dialoge werden deutlich durch den Humor ihres Vaters geprägt. Dazu Zickler: „Das Zusammenspiel der beiden funktioniert wunderbar – man merkt eben, dass sie tatsächlich Vater und Tochter und einander sehr vertraut sind. Aber auch die ernsten Passagen beherrscht Emma völlig überzeugend. Sie sagt ihre Texte nicht auf, denn die Rolle entspricht ihr weitgehend. So wie ich sie privat erlebe, ist sie auch tatsächlich ein echter Sonnenschein! Am Set flattert sie wie ein Schmetterling von einem zum anderen, und alle sind von ihrer natürlichen Art begeistert. Selbst den Beleuchtern, die unbemerkt den ganzen Tag im Bühnenhimmel hocken, um dort die Scheinwerfer einzustellen, bringt Emma Kaffee hinauf!“

Zickler erinnert sich auch an eine weitere Episode, die das soziale Engagement der kleinen Emma beleuchtet: „Bei der Verleihung der Romys saß sie mit zwei Freundinnen am ‚Kindertisch‘, und an der Tür stand der Bodyguard Clemens, der grundsätzlich darauf achtet, dass Emma von Fans mit Autogrammwünschen nicht überrannt wird. Etwa nach der Hälfte der Veranstaltung sagte Emma: ‚Clemens, jetzt hast du schon so lange da gestanden. Jetzt stelle ich mich an die Tür, und du kannst dich mal hinsetzen!‘ Einfach bezaubernd!“

Wie intensiv Emma in der Rolle der Magdalena aufgeht, merkten die Filmemacher sehr schnell. Zickler berichtet: „Als wir das Drehbuch zum zweiten Teil fertig hatten, gaben wir es ihr zu lesen, und ihre erste Reaktion war: ‚Wo ist denn der Hund?!! Magdalena hat doch am Ende des ersten Films einen Hund geschenkt bekommen!‘ Wir hatten tatsächlich nicht bedacht, dass Magdalena – während der Abspann läuft – einen Hund geschenkt bekommt. Aber Emma hat das eben nicht vergessen, und das zeigt, wie sehr sie ihre Rolle verinnerlicht hat. Es ist unglaublich, mit welcher Energie sie sich in die Filmarbeit einbringt. Sie ist ein Schatz!“

„Emma ist ein richtiges Fräulein geworden“, sagt Jasmin Gerat bewundernd. „Sie macht immer mehr ihr eigenes Ding. Sie hat ihren eigenen Stil, zeigte uns nach dem Wochenende, welche Kleidungskombinationen sie beim Shoppen zusammengestellt hat. Ich habe mich auf die Szenen mit ihr besonders gefreut, weil die Arbeit mit Kindern etwas Unberechenbares hat – sie spulen das eben nicht ab. Jeder Moment ist neu. Das fordert mich heraus, immer wieder frisch heranzugehen. Emma und der kleine Maurizio sind für mich die Stars des Films!“

Jytte-Merle Böhrnsen bestätigt: „Emma ist eine sehr talentierte Kollegin, mit der ich sehr gern zusammenspiele – und zwar auf Augenhöhe, auch wenn wir zwischendurch mal Quatsch machen. Jedenfalls bringt ihr die Arbeit wahnsinnig viel Spaß.“

Und Emmas Vater und Regisseur bestätigt: „Emma ist von Film zu Film besser geworden. Wie alle Schauspieler lernt sie aus ihren Erfahrungen, ist nicht mehr nervös, wenn ein so großes Team bei den Szenen zuschaut. Sie macht das toll, und sie hat nichts von ihrem Charme eingebüßt. Neulich lief ‚Zweiohrküken‘ im Fernsehen, und ich staunte wirklich, wie schnell sie in diesen drei Jahren gewachsen ist.“

Über die Zusammenarbeit von Vater und Tochter sagt Til Schweiger: „Es ist nicht so, dass sie nur auf den Regisseur und nicht auf den Papa hört. Aber es stimmt: Sie setzt das, was ich ihr am Set sage, schneller um, als wenn ich zu Hause etwas von ihr will. Zu Hause warne ich sie schon eine halbe Stunde vorher, dass wir losmüssen und sie sich die Schuhe anziehen soll, damit wir pünktlich sind. Und fünf Minuten vorher folgt die zweite Warnung. Das klappt aber lange nicht so gut, wie wenn ich sie beim Drehen bitte, einen Take zu wiederholen.“

Die Rolle von Tristans neuer Freundin Anna ist nicht Jytte-Merle Böhrnsens erste Rolle in Schweigers und Zicklers Team: Sie hat bereits in „Schutzengel“ mitgewirkt und ist demnächst als Hauptdarstellerin in der Mr. Brown Entertainment Produktion „GrossStadtKlein“ zu sehen, „weil sie uns alle mit ihren Leistungen völlig überzeugt“, wie Zickler sagt.

„Anna und Tristan pflegen eine sehr merkwürdige Esskultur, was ich äußerst seltsam fand“, sagt Böhrnsen augenzwinkernd. „Und dann musste ich im Schwimmbad sogar auf einen 10-Meter-Turm klettern, was ich noch nie gemacht habe. Jeden Tag gab es Spannendes, Neues zu entdecken: schöne Locations – und immer in Gesellschaft großartiger Kollegen.“

Jana Reinermann hatte bereits im ersten Teil von „Kokowääh“ einen sehr kleinen Auftritt. „Das hat uns aber nicht abgehalten, ihr jetzt die Rolle der Nanny Nadja zu geben“, sagt Tom Zickler. „Auch sie war als Nebendarstellerin bereits in ‚Schutzengel‘ dabei. Unser Team ist fast schon eine große Schauspielerfamilie, und wir beobachten im Laufe der verschiedenen Filme, wie sich die einzelnen Darsteller weiterentwickeln – so tauchen sie immer wieder bei uns auf. Denn auch für uns ist das Drehen Lebenszeit – wir umgeben uns halt gern mit Menschen, von denen wir aus Erfahrung wissen, dass wir gut mit ihnen auskommen.“

Wie ein Film entsteht:
Timing, Schauplätze, Licht, Abmischung, Musik

„In der Regel ergibt sich das Timing beim Schneiden des Films“, sagt Til Schweiger. „Nur wenn es darum geht, eine Dialogszene ganz ohne Schnitte zu zeigen, müssen die Schauspieler selbst auf das Timing achten. Immer ist das Ziel, einen Dialog in jenem Rhythmus aus Aktion und Reaktion zu zeigen, wie wir ihn auch im richtigen Leben erwarten würden. Was wirkt real? Das hat nichts mit Schnelligkeit zu tun. Auch das Nachdenken über eine Antwort, das Zögern gehört zum Timing. Timing ist ehrliches Schauspiel: Zwei Menschen hören einander zu und reagieren aufeinander. Wer nur so tut, als ob er zuhört, hat nicht das richtige Timing.“

Schweiger nennt ein Beispiel: „Bei Samuel Finzi und mir klappt das, weil wir beide zuhören. Wir sind unterschiedlich und passen gerade deshalb gut zusammen. Dasselbe gilt für meine Szenen mit Matthias und Jasmin.“

Samuel Finzi ergänzt: „Fast jede Szene bietet etwas für die Bauchmuskeln. Über die Gags komischer Kollegen lache ich sofort, gern und viel, aber bei meiner eigenen Darstellung bin ich immer sehr skeptisch. Doch wie Til meine Szenen hier inszeniert, das überzeugt mich so, dass ich über mich selbst lachen muss. Und da merke ich: Das funktioniert! Til ist perfekt in seinem Timing. Er beherrscht den Rhythmus, der für diese Art Komödien nötig ist.“

„Dass Henry mit seiner Familie in einem Loft wohnt, ist praktisch, weil Til in den großen Räumen auch lange Brennweiten einsetzen kann – genau daran liegt ihm bei der Bildgestaltung“, sagt Produzent Zickler.

„Als ich das Loft-Set erstmals betrat, habe ich zunächst einmal für mich privat alles fotografiert, um mich für meine eigene Wohnung inspirieren zu lassen“, erinnert sich Jasmin Gerat. „Ich finde die Farbkombinationen und die vielen kleinen Details sehr anregend.“

Wie vor zwei Jahren kamen wieder die Außenfassaden der Schule und des Restaurants am Wasser zum Einsatz, denn die Helden haben ja nicht ihr soziales Umfeld komplett aufgegeben, sondern bewegen sich nach wie vor in ähnlichen Strukturen. „Aber wir haben auch ein paar schöne neue Schauplätze in und um Berlin ausgesucht“, sagt Zickler. „Das große Fest mit allen Beteiligten wurde im Städtchen Caputh in Brandenburg inszeniert, wo Albert Einstein einst ein Sommerhaus besaß. Auch Matthias Schweighöfers Filmvilla befindet sich dort in der Nähe.“

„Sets, die bis ins Detail ausgearbeitet sind, leben und atmen – sie helfen mir als Schauspieler ungemein“, freut sich Samuel Finzi. „Man braucht dann nicht so tun als ob, weil alles da ist! Mein Spiel wird dadurch organischer. Dass ich dann fast unbewusst agieren kann, ist sehr wichtig.“

In seinen Kamerabildern strebt Til Schweiger eine gewisse „Monochromie“ an, wie er sagt – bestimmte Farben wie leuchtendes Grün werden technisch aus dem Filmbild gefiltert. Schweigers Vorbild bei diesem Stil ist einer seiner Lieblingsfilme, Alan Parkers „Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses“ mit Gene Hackman. Bevor er „Barfuss“ inszenierte, setzte er sich mit Oberbeleuchter Erik Lee Steingroever (der inzwischen als Kameramann arbeitet) zusammen: Gemeinsam schauten sie sich 20 Filme auf DVD an – bei jeder Szene fragte Schweiger: „Wie haben die hier das Licht gesetzt? Wo stehen die Scheinwerfer?“

Dazu sagt Tom Zickler: „Wir verwenden beim Drehen inzwischen ein etwas kostspieligeres System als üblich – wir brauchen ganze fünf Beleuchter-LKWs statt der normalen ein bis zwei. Statt vier Beleuchtern sind neun oder zehn im Einsatz, die zwei Stunden vor dem übrigen Team anfangen müssen. Es gibt eine Vorbau-Gruppe, eine Beleuchtergruppe am Set und eine Nachbaugruppe. Denn wir leuchten einen Schauplatz ‚flächendeckend‘ aus: Das gesamte Set wird von außen, durch die Fenster mit Licht überflutet. Entsprechend wird die punktuelle Lichtsetzung fast überflüssig. Umso schneller kann man zwischen den Einstellungen umbauen, weil das Grundlicht gleichbleibt.“

Til Schweiger legt großen Wert auf diese Art Licht, denn nur sie garantiert Bilder von Kinoqualität – sie unterscheiden sich wesentlich von der Ausleuchtung üblicher TV-Produktionen. Bei „Barfuss“ gab er die Parole aus: „Bei Kamera und Beleuchtung wird nicht gespart.“ Zickler erinnert sich: „Das sagte er in Anwesenheit des Oberbeleuchters und des Kameramanns – und ich hatte das Problem, die Ansprüche der beiden ein wenig im Zaum zu halten, denn natürlich müssen wir trotzdem das Budget im Blick behalten. Wir suchen also ständig nach der perfekten Lösung, und dabei hilft unser Produktionsleiter Klaus Spinnler, der unsere letzten vier Filme betreut hat. Alles steht und fällt letztlich mit der Vorbereitung. Deshalb holen wir den Oberbeleuchter schon sechs bis acht Wochen vor Drehstart ins Projekt, damit er alle Motive kennt und ein entsprechendes Konzept entwickelt. Wenn ich dann die technischen Zeichnungen dazu sehe, beeindruckt mich das immer wieder ganz enorm. Das geht bis zur Planung der Stellplätze für die LKWs, um die Wege möglichst kurz zu halten.“

Die Auswirkungen dieser großen Sorgfalt sind vielfältig, wie Tom Zickler aus Erfahrung weiß: „Weil Til auf solche Bilder besonderen Wert legt, freuen wir uns alle immer aufs Neue über das hervorragende Resultat. Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin-Brandenburg hat sich ausdrücklich dafür bedankt, dass Berlin in unseren Filmen in Bezug auf Schauplätze und Beleuchtung eben auch mal ganz anders aussieht – das begeistert nicht nur die Zuschauer, sondern auch die internationalen Filmemacher, die sich von der optischen Vielfalt in der Bundeshauptstadt inspirieren lassen und gern hier drehen. Der jahrelang vorherrschende Schmuddel-Look ist überholt, jetzt sind Großstadtbilder angesagt, die über Berlin hinausgehen, also dasselbe Metropolenflair verbreiten wie beispielsweise der Central Park in New York.“

Ähnliches gilt bei Til Schweigers Filmen auch für den Filmschnitt, der traditionell Chefsache ist. Dazu Tom Zickler: „Tils Schnitttechnik gerade bei der Einführung der Figuren auf der Geburtstagsfeier erregt die Aufmerksamkeit der Fachleute. Er verzichtet auf Schuss/Gegenschuss und bleibt mit der Kamera immer in Bewegung, um den Zuschauer in die Gruppe einzubeziehen. Der Schnitt ist Tils große Leidenschaft. Ich persönlich werde dabei leicht ungeduldig – im Gegensatz dazu entspannt er sich regelrecht beim Schneiden. Für ihn ist Drehen nur Materialbeschaffung, damit er endlich schneiden kann. Der französische Ausdruck Montage trifft diesen Arbeitsgang viel eher: Til weiß schon beim Dreh, wie die Bilder zusammenpassen werden, und er nutzt jede Drehpause, um direkt am Set in der mobilen Schnitteinheit weiter an den bereits gedrehten Szenen zu arbeiten. Tatsächlich kann er dem Team am Abend des letzten Drehtags bereits den kompletten Film zeigen. Nach einer Woche Feinschnitt folgt die Testvorführung, und zwei Wochen später liegt die endgültige Fassung vor. Viele Szenen sehen dann immer noch so aus, wie er sie in den Drehpausen montiert hat. Denn er kennt das Material unmittelbar nach dem Dreh genau und muss sich nicht erst nach acht Wochen mühsam daran erinnern. Und er erlebt die Arbeit daran als Entspannung. Denn in dem Moment hat er die volle Kontrolle über die weiteren Arbeitsschritte.“

Über die Arbeitsweise am Set berichtet Zickler: „Durch Tils Regie und parallele Schnittarbeit wird das gesamte Team während des Drehs etwas entlastet, denn die Dreharbeiten dauern insgesamt etwas länger – doch diese Extrakosten werden dadurch kompensiert, dass der fertige Film schon sehr schnell nach Drehschluss vorliegt.“

Traditionell legen Schweiger und Zickler Wert darauf, den Filmton in der Münchener Bavaria abmischen zu lassen. „Wir wissen die Fachleute dort zu schätzen, besonders Michael Kranz. Wir sind auf eine hervorragende Mischung angewiesen, weil Til das Nachsynchronisieren von Dialogen hasst. Denn er weiß, wie schwer es für die Schauspieler ist, sich im Nachhinein noch einmal emotional in die Szene hineinzuversetzen und den Text nachzusprechen, wenn man in einem tristen Tonstudio steht. Der Michi hat in jahrelanger Zusammenarbeit mit uns Systeme entwickelt, um selbst Originaldialoge verwenden zu können, bei denen irgendwelche Hintergrundgeräusche stören. Die werden so ausgefiltert, dass der Originalton bleiben kann.“

„Auf diese Weise wird der Film schon sechs bis acht Wochen lang vorgemischt, bis Til dazukommt“, sagt Zickler. „Bei einem so hohen Arbeitspensum wie dem unseren muss man sich auf seine Mitarbeiter wirklich verlassen können. Das ist bei Michi der Fall: Wir wissen hundertprozentig, dass das klappt. Die etwas höheren Kosten in München sparen wir durch die unnötig werdende Nachsynchronisation ein. Andere Produktionen planen zwei Wochen dafür ein – wir brauchen vielleicht anderthalb Stunden für einige wenige Szenen, in denen zum Beispiel Turbinengeräusche oder ähnliches den O-Ton unbrauchbar machen. Michi wünscht sich natürlich den perfekten Ton und schickt Til eine Liste mit den Szenen, die seiner Meinung nach neu eingesprochen werden müssten. Doch Til streicht die Liste rigoros zusammen und verlangt seinerseits von Michi, dass der das mit seiner Technik ausbügelt. Denn Til weiß, dass das klappt! Wir werden bei der Bavaria als Freunde empfangen, fühlen uns dort gut aufgehoben, haben oft auch an der Endfertigung mehrerer Projekte gleichzeitig arbeiten können. Weil im Zuge der Anti-Piraterie-Maßnahmen die Sicherheit des Materials eine entscheidende Rolle spielt, spart es Kosten, wenn die Wege zwischen den Abteilungen kurz sind – das ist in der Bavaria der Fall.“

Auch zwei „Hauskomponisten“ gehören inzwischen zur Barefoot-Familie: Martin Todscharow und Dirk Reichardt komponieren die Musik bereits vor den Dreharbeiten und übernehmen dabei Til Schweigers konkrete Vorstellungen zum Einsatz und der Art der Kompositionen. Hinzu kommt eine Auswahl von Pop-Songs, die die Filmemacher von den Labels aus der aktuellen Produktion angeboten bekommen. Die Balance aus Pop-Titeln und speziell für diesen Film entstandener Musik ergibt sich dann während der Mischung, wenn deutlich wird, welche Szenen gut ohne Musik auskommen, wo sie gut passt, wo sie die Dialoge stört oder im Gegenteil durch Untermalung intensivieren könnte. Bei „Schutzengel“ war Todscharow der Hauptkomponist, Reichardt lieferte zusätzliche Themen. Bei „Kokowääh“ verfahren die Musiker umgekehrt.

„Es war wieder eine wunderbare Teamarbeit“, freut sich Tom Zickler. „Nach den anstrengenden Dreharbeiten zu ‚Schutzengel‘ mit Nachtdrehs bei minus 18° haben wir ‚Kokowääh 2‘ wie einen Urlaub erlebt. Mittlerweile war es Sommer geworden, und in den Pausen konnten wir uns einfach ins Gras setzen. Auch das Filmthema war längst nicht so ernst – wir konnten einfach mehr Witze machen und herumblödeln. Wir arbeiten dadurch nicht weniger professionell, aber die Grundstimmung ist eine andere – es gibt eben keine Schießereien und Tote vor der Kamera.“

„Tils Energie reicht für fünf!“, staunt Jasmin Gerat. „Ich weiß, dass ich jeden Tag auf alles gefasst sein sollte, denn es kommt garantiert anders als geplant. Und das ist das Tolle an seiner Dynamik: Bei ihm wird nie etwas abgespult, es ist immer neu.“ Und über die Teamarbeit meint sie: „Mehrmals während der Dreharbeiten sagte ich mir: Boah ey, was sind das hier für tolle Leute! Til schafft es, nur gute Mitarbeiter um sich zu versammeln. Und ich bin sehr dankbar, dass er die immer wieder zusammentrommelt. Sie wissen: ‚Nächstes Jahr im Sommer darf ich mir nichts vornehmen – da ist Til wieder dran!‘ Immer wieder die gleichen Leute mit an Bord zu nehmen, garantiert die Qualität – und das bei hohem Arbeitstempo.“

„Schon zwei Monate nach ‚Schutzengel‘ stand ich wieder an ‚meinem‘ Set“, erinnert sich Til Schweiger. „Im Normalfall gibt es einmal im Jahr einen neuen Film und ein neues Set – ich empfand das als surreal und fragte mich, ob ich das überhaupt bewältigten kann. Aber es lief wunderbar, weil es diesmal um eine Komödie ging und weil unser Team bestens eingespielt ist. An den meisten Drehtagen waren wir eher fertig als geplant! Insgesamt haben wir nur 36 statt der vorgesehenen 38 Drehtage gebraucht. Das kam mir vor wie ein Spaziergang! Wir hatten viel Spaß, und das sieht man auch auf der Leinwand.“

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