Über den Film

Interview mit MATTHIEU DELAPORTE & ALEXANDRE DE LA PATELLIÈRE

Sie haben „Der Vorname“ (Le prénom) gemeinsam geschrieben und vor dem Film bereits einen gewaltigen Bühnenerfolg gefeiert.

Alexandre:

Stimmt, das war von Anfang an eine unfassbare Erfahrung. Wir konnten Bernard Murat als Regisseur gewinnen und durften gemeinsam mit ihm arbeiten, waren bei den ersten Leseproben dabei und haben auch die Proben im legendären Théâtre Édouard VII begleitet.

Matthieu:

Nach der unglaublichen Spannung während der Premiere, wenn man sich schon überlegt, von welcher Brücke man springen wird, falls niemand lacht, folgte ein wirklich außergewöhnliches Jahr: Jede Vorstellung war ausverkauft, wir haben praktisch hinter der Bühne gelebt. Und dann war klar, dass das Stück in aller Welt aufgeführt wird.

A:

Schon in der ersten Woche sprachen uns erste Theater aus Deutschland und Israel an. In dem Moment begriffen wir, welch großer Coup uns gelungen war.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie beschlossen, eine Kinofassung zu schreiben und dann auch selbst zu inszenieren?

M:

Wir kommen eigentlich aus dem Kinobereich, wollten aber mal etwas anderes ausprobieren. Also begannen wir das Stück zu schreiben, ohne zu ahnen, wohin das führen würde. Wir schrieben über Leute wie wir, suchten einen etwas anderen Ansatz, um Familienbande zu analysieren, aber ohne Einschränkungen wie beim Film – wir mussten überhaupt nichts rechtfertigen. Das waren die Voraussetzungen. Doch als das Stück dann fertig war, entstand sofort auch der Wunsch, es ins Kino zu bringen.

A:

Wir wünschten uns mehr Unabhängigkeit – das war die Motivation, das Stück zu verfassen. Und derselbe Wunsch führte dann auch dazu, die Filmfassung zu inszenieren – dieser Wunsch, und vor allem auch unser Produzent Dimitri Rassam.

Bekanntlich ergibt ein gutes Stück nicht automatisch einen guten Film. War das ein Problem, über das Sie nachgedacht haben?

A:

Wir fanden es ausgesprochen spannend, uns diesem ganz speziellen Genre Theaterverfilmung zu stellen. Also haben wir uns gut vorbereitet, schauten uns entsprechende, sehr unterschiedliche Filme wie „Mélo“ (Mélo) von Alain Resnais, „Sleuth“ (Mord mit kleinen Fehlern) von Joseph Mankiewicz, „Le dîner de cons“ (Dinner für Spinner), „Le père Noël est une ordure“ (Da graust sich ja der Weihnachtsmann) sowie die Filme von Jean-Pierre Bacri und Agnès Jaoui noch einmal an, aber auch viele weniger erfolgreiche Filme. Wir merkten, dass uns jene Verfilmungen am besten gefallen, die sich auf Innenräume beschränken, die Einheit von Ort und Zeit übernehmen und damit der Dynamik des Originalbühnenkonzepts treu bleiben.

M:

Manchmal ist man versucht, die Story zu verwässern, indem man Rückblenden oder neue Nebenhandlungen einfügt und jede Gelegenheit nutzt, das Hauptset zu verlassen. Wir entschieden uns aber, den Kern und Rhythmus der Handlung beizubehalten, wobei wir uns besonders auf das Tempo und das natürliche Spiel der Schauspieler konzentrierten. Wir bemühten uns, die sehr sorgfältig formulierten Dialoge so klingen zu lassen, als ob sie den Darstellern in diesem Moment eingefallen wären. Komödien leben vom Rhythmus – einer Mischung aus Freiheit und Präzision. Man muss ihnen Leben einhauchen, damit sie nicht mechanisch oder theatralisch wirken – gleichzeitig muss man aber Naturalismus oder Geschwätzigkeit vermeiden. Es ging uns also darum, einen dem Kino angemessenen Stil zu entwickeln. Wir waren ganz besessen davon – genau wie unser Kameramann David Ungaro – und wir haben die gesamte Grammatik der Bildsprache durchbuchstabiert: Fahraufnahmen, Handkamera, Totalen, Nahaufnahmen, lange Einstellungen und so weiter. Auch mit unserer Cutterin Célia Lafitedupont haben wir sehr intensiv am Rhythmus gearbeitet.

Wobei Sie von Ihrem Hauptkapital ausgehen, Ihrer Textvorlage, die auf einer Komödienhandlung über Freundschaft und Familie aufbaut und ein ziemlich genaues Abbild des heutigen Frankreich zeigt. Worum ging es Ihnen ursprünglich?

A:

Wir sind beide ganz normale, liberale Bürger der Mittelklasse, aber beide haben wir unseren Kindern – Matthieu hat drei Jungen, ich zwei Mädchen – relativ originelle Namen gegeben. Bei gemeinsamen Familienurlauben merkten wir, wie das selbst in unserem relativ kultivierten Milieu heftige Reaktionen provozierte. Die Leute halten es offenbar für ihr Recht, in unsere Privatsphäre einzudringen und ihre Meinung dazu kundzutun. Dabei amüsierten uns vor allem zwei Aspekte: erstens, dass die Namenswahl offenbar ein sehr heikles Thema ist, weil es sehr viel über uns, über das, was wir von uns preisgeben, aussagt; und zweitens, dass die Wahl bizarrer Vornamen bei anderen deutliche Reaktionen hervorruft.

M:

Es ging uns um das Thema Familie, und das Problem der Namensgebung wirft tatsächlich ein Schlaglicht auf unsere Gesellschaft. Ob man nun einen klassischen oder einen ungewöhnlichen Namen aussucht – stets wird die Wahl von den anderen kommentiert. Ein Name trägt eine Menge Bedeutungsballast in sich – sowohl für den Namensgeber als auch für den Namensträger. Dabei spielen die Aspekte Familie, Religion und das soziale Umfeld eine Rolle, denn der Name verdammt seinen Träger für sein ganzes Leben, obwohl er doch anfangs aus Liebe entstanden ist. Außerdem konnten wir bei diesem Thema über uns selbst lachen, und ich gebe zu, dass wir uns diebisch darüber gefreut haben, unsere eigene Wahl durch den Kakao zu ziehen. Unser Humor hat also etwas Sadomasochistisches.

Neben anderen Themen nehmen Sie durch die von Charles Berling, Patrick Bruel und Valérie Benguigui gespielten Figuren die Salonsozialisten aufs Korn, auch die „Klunkerkultur“ und die Position der Frau in der modernen Gesellschaft, um nur einige zu nennen.

M:

Wir wissen nicht, welche Partei Charles und Patrick als Privatleute wählen, aber bei den von ihnen verkörperten Figuren ist das ganz eindeutig. Wir sind Kinder der 1970er-Jahre, wir beide stammen aus ausgesprochen politisierten Familien. Also haben wir als Jugendliche heftige Debatten und Familienstreitigkeiten miterlebt, die in unserem Stück im Mittelpunkt stehen sollten. Im Grunde ist das ein eindeutig romanisches Thema. Als wir mit unserem deutschen Theaterübersetzer darüber sprachen, sagte er: „Die Familie im Stück ist ausgesprochen französisch.“ Das hat mit der Handlung nichts zu tun – aber er erlebt den Clan zweifellos als romanisch. Tatsächlich erinnert der Bühnentext an italienische Komödien, in denen viel geplappert wird und die Gemüter sich schnell erhitzen, sich dann aber ebenso schnell wieder abkühlen. Sie dienten uns als konkretes Vorbild, denn dieser Kinostil hat die Quintessenz der damaligen Zeit präzise eingefangen – die Alltagsmoral wurde satirisch überhöht und mit Grausamkeit ebenso wie mit Zuneigung gewürzt.

A:

Es geht aber auch um die Masken, die in der Familie verteilt werden und die wir tragen, wenn wir zusammenkommen: der Lieblingssohn oder die Lieblingstochter, derjenige, vom dem Großes erwartet wird, derjenige mit dem moralischen Gewissen und so weiter. Es hat mich immer fasziniert, wie uns diese Rollen zugewiesen werden und wie jeder von uns seine eigene Karikatur akzeptiert und ausfüllt. Und in der Konfrontation zwischen Vincent und Pierre – oberflächlich gesehen also einem rechtslastigen Materialisten und einem linken Intellektuellen – geht es auch um zwei Jugendfreunde, die sich gern heftige Wortgefechte liefern, ohne dabei an die Konsequenzen für andere zu denken. Politisch sind sie verschiedener Meinung, doch sie teilen das Vergnügen, verbale Boxkämpfe auszutragen. Sie mögen Fehler haben, wirken aber sympathisch, und wir wollen verhindern, dass die Zuschauer sie wie ein Insektenkundler von oben herab betrachten. Im Gegenteil: Wir möchten, dass die Zuschauer sich mit den beiden identifizieren, bei diesem Abendessen direkt neben ihnen sitzen und sich abwechselnd in die Lage der Hauptfiguren versetzen.

Eine der Stärken des Films besteht darin, jeder der Figuren ein Forum zu geben, auf dem sie ihre Geschichte präsentieren kann, ohne dass diese Methode irgendwie forciert wirkt.

A:

In einer Familie glaubt man jeweils genau zu wissen, wer das Alphatier ist und wer dominiert wird. Doch wenn die Underdogs Messer und Knüppel ziehen, richten sie manchmal mehr Schaden an als die Herrscher. Wir untersuchen alle Mitglieder dieser Gruppe, übersehen niemanden, denn auch darum geht es in diesem Film.

M:

Und deswegen wollen wir vorher auch nicht über den Namen sprechen, um den sich im Stück und im Film alles dreht. Als der Name ausgesprochen wird, explodiert er wie eine Blendgranate, die die Aufmerksamkeit gleichmäßig verteilt und uns ermöglicht, jeder der Figuren kleine Landminen unterzuschieben, die aber erst sehr viel später hochgehen. Für uns war dies von Anfang an ein Ensemble-Film. Und was das Inszenieren, das Filmskript und den Schnitt angeht, bekommt der Dialog dieselbe Bedeutung wie die Momente des Zuhörens, denn beides ist gleichermaßen wichtig bei dem, was eigentlich ausgedrückt und offenbart wird – vor allem, weil die Bündnisse zwischen den Figuren im Laufe des Abends ständig neu definiert werden.

Wenn wir bei den Figuren bleiben: Wovon ließen Sie sich bei der Besetzung der Darsteller leiten?

M:

Vor allem ging es darum, dass sie eine Familie bilden müssen – eine homogene, zusammengehörende Gruppe. Dazu brauchten wir etwa gleichaltrige Schauspieler, denen man abnimmt, dass sie gemeinsam aufgewachsen sind, da sie bereits Jugendfreunde waren. Außerdem haben wir den Rhythmus des Stücks aufgebrochen, denn Charles Berling fungiert als Rammbock. Als er auftauchte, konnten wir die Karten neu mischen – jeder Darsteller musste seine Rolle noch einmal neu überdenken: Die Musik spielt jetzt anders.

A:

Die Leinwand erlaubt uns, im Vergleich zur Bühne realistischer vorzugehen. Alles steht und fällt mit zwei Darstellern, die privat und auf der Bühne sehr verschieden sind, sich aber dennoch sehr ähneln. Und sowohl Charles Berling als auch Patrick Bruel haben einen unstillbaren Appetit, eine unglaubliche Lebenslust. Uns war klar, dass wir sie einfach nur zusammenbringen mussten, damit die Funken sprühen – das gab uns einen echten Energieschub. Während seiner brillanten Karriere wurde Charles oft als Grübler und Kopfmensch eingesetzt. Aber er hat auch den Wahnsinn, eine animalische Qualität und ungeheure Energie, die wir unbedingt auf der Leinwand sehen wollten. Durch ihn wird der exzessive Pierre zu einem radikalen Fanatiker, er verleiht ihm eine wunderbare Dimension zwischen Komik und Rührung. Wie er und Patrick persönlich und professionell interagierten, hat unsere kühnsten Träume übertroffen.

Und Valérie Benguigui?

A:

Meinen Sie Valérie „Rolls Royce“ Benguigui? Von Anfang an verlieh sie ihrer Figur eine unfassbare Dynamik, wobei sie ihre eigene innere Kraft und ihre menschliche Erfahrung mobilisiert. Außerdem ist sie völlig furchtlos – wir können ihr alles abverlangen, denn sie engagiert sich total für die Rolle der Babou.

M:

Babou bildet den Mittelpunkt der Gruppe. Sie hat die Gruppe zum Essen eingeladen. Ihr liegt daran, dass der Abend gelingt, denn sie übernimmt die Rolle der Hüterin, die die Familie zusammenhalten will. Valéries Energie lässt sich mit einem Vulkan vergleichen, der ein paarmal spuckt, bevor er ausbricht. Aber auch in den Szenen, in denen sie kaum ein Wort sagt und nur Blicke schleudert, macht sie sich nachdrücklich bemerkbar. Sie verfügt über ungeheures komödiantisches Talent, schafft dabei aber eine sehr realistische Figur aus Fleisch und Blut.

Und wie steht es mit Guillaume de Tonquédec und Judith El Zein?

A:

Guillaume spielt den sehr rätselhaften Claude. Der hat große Probleme, sich gegen die zwei Alphatiere an diesem Esstisch zu behaupten. Seit der Bühneninszenierung wissen wir, dass Guillaume der Figur im Film durchaus andere Seiten abgewinnen kann, weil auch er als Komiker ein fantastisches Gespür mitbringt und richtig durchdrehen kann.

M:

Vincent äußert sich kritisch über Claudes offensichtliche Passivität: „Du wirkst wie ein Buchhalter.“ Was absolut unfair ist, weil die anderen sich auf ihre Wortgeplänkel konzentrieren und ihn völlig links liegen lassen. Aber Claude ist durchaus präsent. Guillaume bietet mit seiner Darstellung eine glatte Oberfläche, auf die wir alles Mögliche projizieren können, doch wenn er dann ein schnelleres Tempo vorlegt, reißt er uns in jede von ihm gewünschte Richtung mit. Dasselbe gilt auch für Judith und die von ihr gespielte Anna: Der Schein trügt nämlich. Zunächst wirkt sie vielleicht nur wie eine schöne und elegante Blondine, eine Vorzeigefrau. Doch diese Fassade bekommt bald Risse, und Annas vulkanische Eigenart bricht sich Bahn. Anna ist die Neue in der Gruppe, versucht sich zwar zu integrieren, will aber nicht in jeder Hinsicht Kompromisse eingehen. Als Pierre sie provoziert, zögert sie nicht, steigt in den Ring und schlägt zurück. Sie sucht keinen Streit, weicht aber auch keinen Fußbreit zurück. Die sehr talentierte Judith erfüllt diese Rolle mit Humor und Charakter.

A:

Die große Freude bei der täglichen Arbeit mit den Schauspielern besteht auch darin, dass wir sie ständig neu entdecken dürfen, indem wir ihr Potenzial auf ungewöhnliche Weise einsetzen. Sie legen ihr bekanntes Image radikal ab und zeigen uns ein neues Gesicht, das wir uns bisher nicht vorstellen konnten.

Bleibt abschließend Patrick Bruel, der aufgrund seiner Bekanntheit und seiner vielseitigen Aktivitäten einen Sonderfall darstellt.

A:

Jenseits seines Ruhms und seiner vielen Erfolge, jenseits des von ihm verkörperten Image des ewigen Siegers ist Patrick ein sehr sensibler Künstler, der sich völlig in seine Arbeit einbringt. Er will sich weiterentwickeln, Erfahrungen sammeln, und er zögert nie, ein Risiko einzugehen. Wir haben ihm gleich gesagt, dass wir ihn durch die Hölle schicken würden, denn weil wir ihn in dieser Rolle unzählige Male auf der Bühne erlebt haben, wissen wir natürlich, zu welch herausragender Leistung er fähig ist. Also brachte Patrick seine Schwächen, seinen Enthusiasmus, seinen Kampfgeist und seine Begeisterung für das kollektive Abenteuer mit ein – er zögert nie, seine eigene Darstellung kritisch zu hinterfragen. Bis zum letzten Drehtag – am Freitag um ein Uhr nachts – war er unermüdlich bereit, auch die fünfzehnte Wiederholung zu spielen. Es war ein immenses Vergnügen, mit ihm zu arbeiten.

M:

Patrick wird oft ungerecht behandelt. Es stimmt zwar: Oft verhält er sich unorthodox. Aber er hat auch nicht grundlos eine solche Karriere gemacht. Immer bringt er sich mit vollem Enthusiasmus ein, er ist ein Perfektionist. Er macht gern selbst Vorschläge, ist aber stets bereit, eine Wiederholung nach der anderen zu spielen. Es macht ihm Freude, die Rolle auszuloten. Das bringt auch uns sehr viel Spaß, wirkt stimulierend. Wer ihn nicht kennt, der mag leicht genervt auf ihn reagieren. Er singt nicht nur, er verkauft Millionen von CDs! Er tritt nicht nur auf, sondern füllt die Säle bis zum letzten Platz! Er spielt nicht nur Poker, sondern gewinnt den Weltmeistertitel! Wenn er zaubern würde, wäre er David Blaine. Er erinnert mich an den Sänger in Balavoines Lied „Le chanteur“ – allerdings müsste er singen: „Darf ich mich vorstellen? Ich heiße Patrick und bin ungeheuer erfolgreich, das Publikum betet mich an. Ich sehe gut aus, verdiene gutes Geld, und vor allem bin ich intelligent …“ Das führt zu einer Situation, wo der ganze Erfolg irgendwann nervt – in uns normalen Menschen regt sich der Neid. Deshalb wollten wir uns gar nicht gegen Patricks Image wehren – wir fanden es vielmehr interessant, das als Thema mit einzubauen. Weil Patrick sehr clever ist und sein Image sehr genau analysieren kann, fand er es lustig, das voll auszukosten. Er hat nie versucht, intelligenter oder stärker zu wirken als die Figur.

Erzählen Sie über eine weitere Schlüsselrolle in „Der Vorname“, nämlich das erstaunliche Set, die Wohnung, die so aussieht, als sei sie 200 Jahre alt.

A:

Daran haben wir von Anfang an wie besessen gearbeitet. Matthieu und ich stammen aus Paris, sind in solchen Wohnungen aufgewachsen – wir wussten also ganz konkret, wie unser Set aussehen sollte. Wir wollten unbedingt mit der wunderbaren Produktionsdesignerin Marie Cheminal arbeiten, deren Ausstattungen für Cédric Klapisch wir sehr schätzen, vor allem für den Film „Paris“ (So ist Paris). Ihr voller Terminkalender hat uns reichlich eingeengt, aber wir hätten sogar vor ihrem Haus kampiert, um sie an Bord zu bekommen.

M:

Letztlich blieb ihr keine Wahl, denn immer wenn sie eine neue Bedingung stellte, haben wir sofort zugestimmt. Das Resultat ist echt verblüffend – es ging so weit, dass die Techniker während der Endfertigung des Films glaubten, wir hätten in einem echten Appartement gedreht. Ein schöneres Kompliment könnten wir gar nicht bekommen, denn dieses Set hat unsere Regie maßgeblich beeinflusst. Tatsächlich bat uns Marie in der Vorbereitungsphase, allein arbeiten zu dürfen – sie wollte uns nichts zeigen, bevor sie fertig war. Wir erklärten uns einverstanden, solange sie bereit war, alles wieder abzureißen, falls wir etwas auszusetzen hätten. Am Stichtag erschienen wir im Studio Bry-sur-Marne, die Mitarbeiter verbanden uns die Augen und führten uns auf das Set. Wir bekamen wirklich Gänsehaut, als wir die Augen öffneten – in diesem Moment war klar, dass der Film praktisch schon halb gelaufen war.

A:

Das war wirklich etwas Besonderes, denn jeden Tag entdeckten wir am Set neue Details. Tatsächlich hatten viele Mitarbeiter der Ausstattungsabteilung persönliche Gegenstände beigesteuert: Marie Cheminal brachte ihre Kissen mit, andere fügten Kinderspielzeug, Zeichnungen etc. hinzu. Jeder verliebte sich in das Appartement, das am Ende eine reale Wohnsphäre wurde.

M:

Die Straße, in der die Wohnung liegt, existiert nicht, doch es gibt ein praktisch identisches Vorbild im 9. Arrondissement in Paris. Das Haus im Film ist typisch für diesen Stadtteil, und der Blick aus dem Foyer entspricht dem, wie es in der Realität aussehen würde.

A:

Wir haben in dem Stadtteil einige atmosphärische Geräusche aufgenommen, damit das Außenambiente stimmt.

Wie steht es mit der Musik?

M:

Da halten wir uns an Jérôme Rebotier und Richard Wagner – beides große Talente. Was steht in Ihrer Partnerschaft als nächstes auf dem Programm?

Kehren Sie zur Bühne zurück, machen Sie weiter Filme oder etwas anderes?

M:

Zunächst möchten wir zum Theater zurückkehren, weil die Bühne für Komödien ein fabelhaftes Experimentierfeld darstellt, auf dem sich der Text entwickeln kann. Das haben wir während der Aufführungen von „Der Vorname“ erlebt: Im ersten Monat nach der Premiere haben wir jeden Tag kleine Änderungen vorgenommen, die Dialoge optimiert, und das hat auch bei der Struktur des Films geholfen. Inzwischen schreiben wir ein neues Stück. Wir möchten zwischen Komödie und Drama alternieren – also wird es diesmal ein Thriller im Stil eines Film noir, und ich werde bald mit der Inszenierung beginnen.